Die Blumen von gestern

Die Blumen von gestern“ sollte man sich anschauen.

Der Plot ist zwar recht konstruiert und nimmt auch noch am Ende Wendungen, die „erzähltechnisch“ oder vom Spannungsbogen her nicht notwendig sind. Doch für ein vollständiges Bild ist das durchaus korrekt.

Vollständiges Bild von was? Von unserer nicht abschüttelbaren schuldig-unschuldigen Verstrickung in die Sünden „unserer“ Nazi-Deutschland-Großväter. Von unserer betroffenen Kultur des Bewältigens, Aufarbeitens, Abschüttelns, das-muss-auch-irgendwann-mal-ein-Ende habens, Leugnens.

Dieser Kultur der in den letzten 50 Jahren didaktisch wertvoll geläuterten und mehr oder weniger immer noch reuigen Täter und ihrer Kinder und Enkel steht spiegelverkehrt gegenüber die der überlebenden Opfer und Opfer-Nachfahren. Sie ist nicht minder komplex verdreht, authentisch-unaufrichtig, neurotisch, aufgesetzt unbekümmert und ehrlich depressiv.

Mit einem Wort: Das ganze ist schlicht hochgradig pervers. So pervers, dass man schon dauernd aus der Haut fahren und Zähne einschlagen oder sich umbringen kann.

Und das genau zeigt uns Chris Kraus. Manchmal dürfen wir dabei sogar lachen, wie befreiend!

Ja, die Story ist etwas sehr konstruiert, aber die Schauspieler zeigen uns Personen, die in diesem künstlichen Raum durchaus folgerichtig handeln. So verhaltensauffällig, gestört und nervtötend exaltiert Lars Eidinger seinen Toto auch anlegt – es ist nur konsequent (und mitunter recht komisch dazu). So sprunghaft, launisch, mutwillig, manchmal zickig, manchmal depressiv Adéle Haenel auch ihre Zazie zeigt: so muss sie eben sein.

Im Übrigen sind die Stimmungswechsel, die Frau Haenel von einer Sekunde auf die andere in die Kamera zaubert, schon alleine ein Grund, den Film zu sehen.

Mein Fazit

Die Blumen von gestern ist ein schöner Film, ein sehenswerter Film, aber am Ende doch auch ein reiner Kopf-Film. Er verzaubert nicht, beschwingt oder verstört nicht und gibt nicht wirklich Einblick in unbekannte Lebenswelten oder realistische neue Gefühlsräume. Dazu sind alle Figuren ein wenig zu „over the top“, zu sehr aus Figurendruckerei.

Spaß macht der Film trotzdem, das ist doch schon mal was.

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