„The Revenant“ oscarverdächtig?

Schöne Bilder und ein guter Schauspieler, das ist schon viel. Und „The Revenant – Der Rückkehrer“ bietet das, keine Frage.

Doch dann kommen die Abers, leider:

  • Die Story ist recht platt und sehr vorhersehbar
  • Die Bilder sind toll, aber das sind die bei National Geographic auch
  • Regie und Drehbuch sind nachlässig, als ob es auf Details nicht mehr ankäme:
    • an völlig unberührten Orten ist der Schnee bereits zertrampelt, wer war da denn schon?
    • ein über Wochen völlig ausgehungerter Mann steht danach nackt vorm Doktor und ist wohl genährt
    • er stürzt in reißendes Eiswasser und wird kilometerweit mitgerissen, dann krabbelt er aus dem Wasser, schüttelt sich und macht Feuer. Doch nirgends hätte er trockenes Gras o.ä. finden können und eigentlich ist man nach 10 Minuten bei 0°C ja sowieso tot.
    • er stürzt verletzt eine hohe Klippe runter, landet in einer Tanne und steht dann einfach wieder auf.
    • er schläft in der Wildnis neben toten Tieren und kein Wolf und keine Wildkatze bedrohen ihn.

Ja, Di Caprio spielt gut und es war sicher sehr anstrengend für ihn. Doch in weniger effekthascherigen Umgebungen kommt sein Können besser raus. Er braucht keine tiefen Wunden, großen Schmerzen und die Weite Kanadas im Hintergrund, um zu überzeugen.

Es ist ein Film über das Leiden. Denn viel Brutalität und schweres Leid muss der Mensch hier aushalten, von der Natur zugefügt wie auch von anderen Menschen. Und zwischen all die Grausamkeiten werden dann ein paar Sinnfetzen zum Nachdenken geworfen. Eine zu kurze Klagerede eines alten Indianers über weißes Unrecht. Und immer wieder vieldeutige Flüsterworte einer verstorbenen Frau, die manchmal über dem Schnee schwebt. Als wenn beim Schnitt einer gerufen hätte: „Wir müssen noch ein wenig Anspruch für die Möchtegern-Philosophen reinbringen!“

Mit viel Mühe gemacht, aber nicht zu Ende gedacht. Ein guter Film braucht nicht nur gute Leute und viel Anstrengung, er muss auch als Werk begeistern. „The Revenant“ begeistert nicht.

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