Wie widerlich boshaft doch Horst Seehofer ist

– und wie absurd egomanisch!

Es kann derzeit wunderbar besichtigt werden.

Mit seinem Dauerstreit mit der Bundeskanzlerin

  • schadet er seiner eigenen Partei, der CSU. Die 35% im Oktober gehen voll auf sein Konto,
  • schadet er Bayern, denn der Freistaat ist unter einer stabilen CSU Führung bis jetzt formidabel gefahren,
  • schadet er Deutschland, denn
    • das Erblühen der AfD geht auf sein Konto,
    • die Regierungspolitik wird durch seine selbsbezogene, boshafte Dauerobstruktion von wichtigen Themen abgehalten. Es gibt Dringendes zu erledigen. Horst Seehofers Geltungssucht gehört nicht dazu,
    • eine gescheiterte Koalition wird die Republik weiter lähmen und wichtige Entwicklungen weiter behindern,
  • schadet er Europa, denn ohne Deutschland kommen wichtige Initiativen nicht voran – oder sie gehen in die falsche Richtung,
  • schadet er der Demokratie, denn sein zynischer, rein ich-bezogener Umgang mit der Macht ist der beste Beleg dafür, dass „da oben“ nur eine korrupte Bonzen-Clique sitzt.

Und wofür? Um nicht vor Angela Merkel seinen Posten zu verlieren. „Ich habe sie aus dem Amt gedrängt, nicht sie mich.“

Im 2-3 Wochen-Takt wird deshalb mit boshaftem Fleiß eine unerträgliche Zumutung nach der anderen produziert, bis die SPD die Nerven verliert und hinschmeißt. Es könnte sein, dass das gerade passiert.

Verrückt, absurd, boshaft, ekelhaft. Ich hoffe, dass sein Name und seine Person für sehr lange Zeit als Sinnbild und Prototyp der politischen Charakterlosigkeit gelten werden. Die Chancen dafür stehen gut.

Veröffentlicht unter Politisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Regionalparteien schaden Deutschland

Eine Übertreibung

Manchmal muss man kräftig übertreiben, um eine Schieflage zu erkennen. Man muss die Lage noch deutlich schiefer machen.

Stellen wir uns also einmal vor, in jedem Bundesland gründeten sich in der nächsten Zeit reine Regionalparteien. Eine Partei nur für Baden-Württemberg, eine andere nur für Mecklenburg-Vorpommern, eine für Bremen und so fort. Und weil diese Parteien sich ganz und ausschließlich auf ihr jeweiliges Bundesland konzentrieren und gar nicht größer, gar nicht national sein wollen, gewinnen sie schnell das Vertrauen der Bürger („Sachsen den Sachsen!“).

Schritt für Schritt gewinnen sie in immer mehr Bundesländern die Landtagswahlen und stellen den Ministerpräsidenten oder Bürgermeister. Das klingt vielleicht spontan etwas eigenartig, ist aber im Prinzip ja möglich.

Diese 16 Parteien gehen nun noch einen Schritt weiter und vereinbaren untereinander, dass sie bei der Bundestagswahl eine Fraktionsgemeinschaft bilden wollen, alle zusammen. Das klingt noch etwas eigenartiger, aber dass es im Prinzip funktioniert, führen ja im verkleinerten Maßstab CDU und CSU seit Jahrzehnten vor. Unsere 16 Parteien hier machen im Grunde nichts Anderes.

Ich nennen das im Folgenden den Regionalparteien-Trick.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Politisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ist die CSU verfassungskonform?

Verfassungsgericht, wir haben ein Problem!

Es entspricht nicht dem Geist unserer Verfassung, wenn eine Partei – konkret die CSU – bei nationalen Wahlen nur regional begrenzt auftritt und zur Abdeckung der anderen Gebiete mit anderen, regional komplementär aufgestellten Parteien informelle Dauerpartnerschaften schließt.

Möglicherweise lässt das Grundgesetz so etwas formal zu, aber dann nur, weil man die möglichen Folgen dieser Offenheit bei der Formulierung vor vielen Jahren nicht erkannt hat.

Diese Folgen sind mittlerweile eingetreten. Die Zusammenarbeit von CDU und CSU hat in den letzten Jahren einen Charakter angenommen, der für die Bürger nicht mehr erträglich und für die Republik schädlich ist. Jetzt im Juni 2018 kann man das Dilemma sogar in jeder Nachrichtensendung besichtigen. Im aktuellen Konflikt geht es gerade um die Asylpolitik.

Doch die Themen sind austauschbar, es geht eigentlich um viel mehr, nämlich um einen systematischen Missbrauch der Parteien-Zusammenarbeit durch die CSU zu ihrem und zum bayerischen Nutzen und zum Schaden der Republik.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Politisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Limoncello zu Weihnachten

Seit einigen Jahren stelle ich zur Weihnachtszeit Limoncello her. Gerade nach einem schweren, würzigen Essen ist mir dieser süßlich-fruchtige, recht starke Alkohol (ca. 45%) ausgesprochen angenehm – wenn er sehr kalt serviert wird, das ist Pflicht.

Am besten, man kühlt auch die Likörgläser. Mehr als einen trinkt man kaum.

Ein gutes Weihnachtsgeschenk in einer netten Flasche ist er obendrein.

Ich stelle hier das Rezept dazu vor und gebe noch ein paar Tips.

Das Rezept

… für den Limoncello ist nicht von mir. Ich habe es hier bei Chefkoch.de gefunden. Es ist ein klares und gutes Rezept. Nur dass man die Schalen noch ausdrücken soll, nach dem sie 12 Tage in reinem Alkohol gezogen haben, ist Quatsch aus meiner Sicht. Die sind knochentrocken, mit Drücken geht da gar nichts.

Das Rezept geht von 10 Zitronen, 1l reinem Alkohol, 1l Wasser und 800g Zucker aus. Zusammen hat man also am Ende gut 2,5l Limoncello. Das ist für einen Haushalt fast zuviel. Oder anders gesagt: Das mit dem Verschenken bietet sich sozusagen an.

Im Übrigen ist das Rezept wirklich einfach, viel mehr als etwas Schälen, etwas Umfüllen, etwas Warten, etwas Erhitzen und etwas Rühren ist es nicht.

Und nun die Tips

  • Das Zitronenschälen geht deutlich leichter, wenn man die Zitronen ein paar Minuten in 40 Grad warmen Wasser anwärmt. Dann kann man leicht dünne Zesten spiralförmig  abschneiden. Ist die Zitrone kalt, werden das nur so kleine Stücke und es dauert viel länger (und nervt).
  • Man verwendet ja fast nur die Schale, erst ganz am Schluss, nach den 12 Tagen braucht man auch noch etwas Saft von einer Zitrone. Führt zu der Frage: was tun mit den geschälten Zitronen? Aufbewahren kann man sie geschält schlecht, und so viel Zitronencreme kann man gar nicht herstellen, wie das ergäbe. Ich presse sie alle aus, das ergibt ca. 0,6l Zitronensaft und fülle den dann in so Würfeleisboxen fürs Gefrierfach. Dann hat man immer einen Würfel Zitronensaft parat.
  • Reiner Alkohol kann teuer sein, besonders, wenn man ihn in der Apotheke kauft, der Hinweis im Rezept ist sehr berechtigt. Ich kaufe immer beim Online-Händler Weisshaus-Shop, der auch sonst ein interessantes Spirituosen-Sortiment hat. Die Verlockung ist zu groß, ein Whisky und ein Obstbrand werden dann meist gleich mitbestellt. Aber das hat mit dem Limoncello nichts zu tun.
    1l reiner Alkohol (96%) kostet dort 24€, das finde ich fair.
  • Der online bestellte Alkohol hat mehr als die 90%, die im Rezept angegeben sind – eben 96%. Das schmeckt man auch, der Limoncello wird so wirklich stark. Darum verdünne ich nach den 12 Tagen den Alkohol nicht mit 1l Wasser + Zucker, sondern mit 1,05l Wasser + Zucker.

Ich wünsche allen viel Spaß mit dem Rezept und Freude am Limoncello.

 

Veröffentlicht unter Kulinarisches | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Körper und Seele

Wir hatten wirklich Glück, dass wir uns Teströl és lélekröl, Körper und Seele, gleich zu Anfang der Berlinale ausgesucht hatten, und das gleich doppelt.

Ein etwas anderer Film

Denn erstens ist der Film hervorragend, eine völlig skurile und dabei doch wunderschöne Liebesgeschichte, einfühlsam erzählt mit viel psycholgischem Witz in einer martialischen Umgebung. Am schönsten fand ich die Andersartigkeit gegenüber den sonst üblichen filmischen Erzählstilen.

Ildikó Enyedi dreht meist mit ganz großer Blende, die Kamera-Augen weit aufgerissen sozusagen. Dadurch entsteht ein lustiges Spiel zwischen wenigen scharfen und vielen unscharfen Ebenen. Sie zeigt uns so viele überraschend neue Bilder in ganz alltäglichen und einigen auch nicht so alltäglichen Szenen.

Ebenso ist es in den Dialogen. Hier wird auch nicht jeder Zusammenhang so lange breitgewalzt und erklärt, bis auch der Letzte kapiert hat, wer gerade wen hochnimmt. Man muss schon hinschauen und hinhören.

Und schließlich die beiden Hauptfiguren. Wahrlich keine Abziehbilder und doch so sicher gespielt und verständlich in aller Fremdheit, dass man sie sehr schnell lieb gewinnt.

Körper und Seele geht an die Nieren, so sehr, dass gleich zwei Personen im Publikum schlapp machten. Der Film musste unterbrochen werden, Licht an, etwas Aufregung, Trage, Sanitäter, ein paar ungewisse Minuten, aber dann war wieder alles gut und es ging weiter.

Goldener Bär

Und natürlich ist es schön, den Siegertitel zu sehen, einfach, weil er es nun mal ist. Bei aller cineastischen Vorahnung, das hatten wir beim Kauf vor 10 Tagen wirklich nicht erwartet. Die Story klang einfach spannend und etwas schräg, darum hatten wir diesen Film ausgesucht.

Schwierige Sprache

Der Film wurde natürlich in der Originalsprache Ungarisch gezeigt, mit englischen und deutschen Untertiteln. Ich hab zur Sicherheit beide gelesen, dazwischen war mitunter ein ordentlicher Spannungsbogen.

Für eine deutsche Synchronisation dürfte der Film schon eine Herausforderung sein, lange Sätze wurden zum Teil extrem kurz übersetzt und ebenso umgekehrt. Es war ein wenig wie in der Studio-Szene in Lost in Translation.

Ob synchronisiert oder im Original: auf jeden Fall anschauen, wenn er in die Kinos kommt!

Veröffentlicht unter Film, Kino, Kultur, Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Trump-Versteher

Trump-Versteher ≠ Trump-Verzeiher

Der neue US-amerikanische Präsident gibt Vielen Rätsel auf. Und sein Naturell ist so sprunghaft und unvorhersehbar, dass das auch noch lange so bleiben wird – vielleicht „for good“, der Mann ist immerhin 70 Jahre alt.

Aber Einiges kann man sich recht gut erklären. Ich liste hier ein paar Punkte auf, die mir nur folgerichtig erscheinen. Macht mich das zum Trump-Versteher? Wenn sie sich bewahrheiten: ja, in Teilen schon. Macht mich das zum Trump-Verzeiher? Keinesfalls!

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Was kann jemand, der ein Amt errungen hat, danach noch erreichen? Allgemein: das nächst höhere. Aber für den US-Präsidenten wird es damit eng. Der einzige noch erstrebenswerte Ruhmeskranz ist für ihn / sie die Wiederwahl. Und darum beginnt mit dem erfolgreichen Ausgang der ersten Wahl für alle Präsidenten der Kampf um den erneuten Sieg in 4 Jahren.

Donald Trump hat dieses politische Naturgesetz nicht entdeckt, er hat es nur ausgesprochen schnell umgesetzt. Gleich von Anfang an wollte und will er den Grundstein für anhaltenes Vertrauen bei den Wählern legen. Er und seine Leute haben sich darum gefragt, was besonders an diesem Vertrauen zehrt? Was wirft der gemeine Wahlbürger der verachteten Politikerkaste vor, warum verachtet er sie? Ganz vorne steht da (wie bei uns): Politiker versprechen im Wahlkampf viel und halten davon hinterher wenig. Dieser Effekt scheint fast ein weiteres politisches Naturgesetz zu sein.

Damit will Trump Schluss machen. „From now on“ wird alles anderes sein. Die Menschen erleben unmittelbar: Trump steht zu seinem Wort. Seine Gegner haben Unrecht, wenn sie ihm hohle Ankündigungen, leere Versprechen und generell Unaufrichtigkeit vorwerfen.

Nicht alles Neue funktioniert, wie versprochen, aber darum geht es auch gar nicht. Man könnte sogar fast an Zynismus glauben, wenn man etwa das Einwanderungsverbot für Muslime anschaut. Er hat das sofort per Dekret umgesetzt, wie angekündigt. Leider fiel ihm dann ein kleiner Richter in den mächtigen Arm.

Vielleicht war das gar nicht so unwillkommen, wie getan wird. Denn die Botschaft ist ja längst angekommen: Versprechen gehalten! Die faktische oder „objektive“ Wirkung des Dekrets (mehr Sicherheit) war immer sehr zweifelhaft und eben zweitrangig.

Perception is Reality

In einer Demokratie entscheiden Mehrheiten. Mehrheiten haben in aller Regel je größer sie sind, einen umso niedrigeren Durchschnitts-IQ. Klingt arrogant, ist aber so. Schon Friedrich Schiller erkannte: Verstand ist immer nur bei Wenigen gewesen.

Wenn also die Mehrheit glaubt, dass aus Mexiko in erster Linie Diebe, Drogenschmuggler und Vergewaltiger über die Grenze in die USA kommen und dass die Deutschen den amerikanischen Wohlstand mit ihren BMWs widerrechtlich abgreifen – dann ist das in Amerika so. Der Aufschrei: „Stimmt doch gar nicht!“ geht da ins Leere.

So merkwürdig es vielleicht in diesem Kontext klingt: es ist ja erstmal kein schlechter Demokratie-Stil, solche Sichtweisen ernst- und also auch aufzunehmen. Genau das tut Donald Trump. Allerdings: Trump überspitzt sie auch demagogenhaft und formuliert pointiert Ansichten, die die meisten so noch gar nicht recht hatten.

Das Problem der ganz anders gearteten, deutschen Merkel-Politik ist, dass sie vielleicht faktisch „Recht“ hat und alternativenlos ist. Aber (post-)faktisch entfernt sie sich mehr und mehr von der „Volkswahrheit“. Zu Zeiten der Griechenlandkrise war das gut zu spüren. Es gab keinen ernst zu nehmenden parlamentarischen Widerstand. In dieser Zeit wurde die AfD geboren. Und in Zeiten der Flüchtlingsangst kriegte sie weiteres Oberwasser.

Wir haben lange der romantischen Sicht angehangen, zu den Erkenntnisprinzipien der Aufklärung (Rationalität, Objektivität, Wissenschaftlichkeit) gehört irgendwie automatisch das Verfassungsprinzip der Demokratie. Aber das ist Quatsch, spätestens seit Beginn des post-faktischen Zeitalters mit seinen alternativen Wahrheiten ist klar: Eine Demokratie kann genauso wilkürliche Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten gebären, wie eine Diktatur oder ein Feudalsystem.

Übrigens: Zu „post-faktisch“ passt gut auch „post-ethisch“. Spätestens mit Donald Trump begann eben auch das post-ethische Zeitalter.

America First

Um die Freund-Feind-Welt von Donald Trump zu beleuchten, schauen wir uns die Welt aus amerikanischer Sicht einmal an. Die USA sind weiterhin die No.1, ein wirtschaftlicher wie militärischer Riese. Aber kann man langfristig noch von „unangefochten“ sprechen?

Andere, kleinere Staaten machen unserem Riesen immer mehr den Platz streitig und schlimmer: mit immer mehr Erfolg. Trump will den Führungsplatz dauerhaft sichern, America first! Die konkreten Ansatzpunkte dafür sind recht übersichtlich und fast aus dem Lehrbuch.

Stärkung der Kernkompetenzen

Aus Trumps Sicht, sind das die Bereiche Militär, Bauwirtschaft, Finanzwirtschaft, Automobil und Energiewirtschaft. Er wird hier investieren, Steuern senken und Hürden abbauen. All dies geschieht bereits und wird noch deutlich zunehmen.

Direkte Handelshemmnisse, Zölle und Ähnliches, werden vermutlich eher verhalten eingesetzt, denn die Gefahr ist groß, dass die andere Seite reagiert, und das Ding nach hinten losgeht.

Abbau von vermeintlichem Ballast

Obamacare, generell Sozialsysteme, aber auch diverse Engagements im Bereich Entwicklungshilfe sind aktuell massiv gefährdet. Das Gleiche gilt für den Umweltschutz. Auch das US-Engagement in der UNO und angegliederten Organisiationen wird eher zurückgehen.

Die konkrete Politik wird diese Linie einhalten, aber es wird Alibi-Veranstaltungen geben, die einige Desaster auf PR-Ebene verhindern oder schwächen sollen. Vielleicht kommen zum Beispiel einige spektakuläre Deals mit afrikanischen Staaten zu Stande.

Aggressive Wettbewerbspolitik

Aus Trumps Sicht sind China und die EU die größten und langfristig gefährlichsten Feinde der USA. Beide gilt es zu schwächen oder zumindest ein weiteres Erstarken zu verhindern.

China

China ist wegen seiner schieren Größe gefährlich, der wachsenden militärischen wie wirtschaftlichen Stärke, des aggressiven Auftretens (besonders im Pazifik) und wegen seiner an Bodenschätzen orientierten „Kolonialpolitik“, insbesondere in Afrika. Will Trump nicht Einfluss in Asien verlieren, muss er die chinesische Expansion stoppen und womöglich auch zurückdrängen.

Europa

Die EU ist gegenüber den USA der deutlich größere Wirtschaftsraum. Bei fortschreitender Einigung und Integration erwächst hier ein Widersacher, mit dem man nicht mehr so leicht umspringen kann. Verhandlungen á la TTIP zum Beispiel würden doch mit Deutschland, Frankreich oder Italien jeweils alleine sehr viel einfacher verlaufen.

Trump fährt am besten, wenn er alle Auflösungsbewegungen unterstützt und die EU nachhaltig schwächt. Wirklich zerbrechen soll sie nicht, aber uneins soll sie bleiben. Hier zieht Trump an einem ähnlichen Strang wie Putin. Beide werden EU-feindliche Kräfte unterstützen.

Für die anstehenden Wahlen in Europa darf man eine aggressive Einmischung erwarten. Denn die Manipulation via digitale Medien beherrschen beide Seiten sehr gut. Obwohl Deutschland eine Schlüsselstellung einnimmt und wirtschaftlich wie politisch der gefährlichste Feind innerhalb der EU ist, wird man eher in Frankreich und Italien ansetzen. Wenn hier anti-europäische Kräfte ans Ruder kommen, ist Deutschland ausreichend isoliert. In Deutschland genügt es, Martin Schulz zum Kanzler zu machen.

Die NATO wird Trump weiter nutzen, einmal, um die Russen in Schach zu halten und außerdem, um finanziellen Druck auf die anderen Mitglieder auszuüben (gebt mehr für Rüstung aus!). Schwächen wird er die NATO nicht wirklich, das könnte sonst im Baltikum oder Balkan für ihn teuer werden.

Russland

Den großen Gegenspieler aus den Zeiten des kalten Krieges fürchtet Trump allerdings kaum noch. Die Russen wurden schon von Ronald Reagan in die Knie gezwungen. Die Wirtschaft ist marode, das Militär nur sehr bedingt einsatzbereit und das Führungssystem viel zu zentralistisch für dieses Riesenreich.

Man muss sie im Auge behalten und darf keine Schwäche zeigen, aber punktuell kann man mit ihnen auch kooperieren, etwa gegen IS und Taliban.

Lernkurve

Es ist gut möglich, dass manche der hier skizzierten Sichten mit der Zeit neu eingefärbt und sogar gedreht werden. Aber das wird ein paar Monate dauern. Bis dahin sollten wir uns auf wenig freundliche Signale aus Washington einstellen. Machen wir uns nichts vor: Deutschland steht ganz oben auf der Liste der Länder, deren Einflussbereich eingeschränkt werden soll (schon weil Obama Angela Merkel so lobte).

Veröffentlicht unter Business, Politisches, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Il Trovatore im Kino

(cc) David Woo

Oper im Kino?

Seit einiger Zeit kann man Inszenierungen des Royal Opera House in London, Covent Garden, als Life-Stream in einem Kino „um die Ecke“ sehen.

Solche Aufführungen werden dann zeitgleich in knapp 1.000 Kinos rund um die Welt gezeigt. (Das Bolschoi Ballett hat ein ähnliches Angebot).

Aktuell gesehen

Gestern, am 31.1.2017, war wieder so ein Tag. Gezeigt wurde Il Trovatore von Verdi.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kino, Kultur, Kunst, Musik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Blumen von gestern

Die Blumen von gestern“ sollte man sich anschauen.

Der Plot ist zwar recht konstruiert und nimmt auch noch am Ende Wendungen, die „erzähltechnisch“ oder vom Spannungsbogen her nicht notwendig sind. Doch für ein vollständiges Bild ist das durchaus korrekt.

Vollständiges Bild von was? Von unserer nicht abschüttelbaren schuldig-unschuldigen Verstrickung in die Sünden „unserer“ Nazi-Deutschland-Großväter. Von unserer betroffenen Kultur des Bewältigens, Aufarbeitens, Abschüttelns, das-muss-auch-irgendwann-mal-ein-Ende habens, Leugnens.

Dieser Kultur der in den letzten 50 Jahren didaktisch wertvoll geläuterten und mehr oder weniger immer noch reuigen Täter und ihrer Kinder und Enkel steht spiegelverkehrt gegenüber die der überlebenden Opfer und Opfer-Nachfahren. Sie ist nicht minder komplex verdreht, authentisch-unaufrichtig, neurotisch, aufgesetzt unbekümmert und ehrlich depressiv.

Mit einem Wort: Das ganze ist schlicht hochgradig pervers. So pervers, dass man schon dauernd aus der Haut fahren und Zähne einschlagen oder sich umbringen kann.

Und das genau zeigt uns Chris Kraus. Manchmal dürfen wir dabei sogar lachen, wie befreiend!

Ja, die Story ist etwas sehr konstruiert, aber die Schauspieler zeigen uns Personen, die in diesem künstlichen Raum durchaus folgerichtig handeln. So verhaltensauffällig, gestört und nervtötend exaltiert Lars Eidinger seinen Toto auch anlegt – es ist nur konsequent (und mitunter recht komisch dazu). So sprunghaft, launisch, mutwillig, manchmal zickig, manchmal depressiv Adéle Haenel auch ihre Zazie zeigt: so muss sie eben sein.

Im Übrigen sind die Stimmungswechsel, die Frau Haenel von einer Sekunde auf die andere in die Kamera zaubert, schon alleine ein Grund, den Film zu sehen.

Mein Fazit

Die Blumen von gestern ist ein schöner Film, ein sehenswerter Film, aber am Ende doch auch ein reiner Kopf-Film. Er verzaubert nicht, beschwingt oder verstört nicht und gibt nicht wirklich Einblick in unbekannte Lebenswelten oder realistische neue Gefühlsräume. Dazu sind alle Figuren ein wenig zu „over the top“, zu sehr aus Figurendruckerei.

Spaß macht der Film trotzdem, das ist doch schon mal was.

Veröffentlicht unter Film, Kino, Kultur, Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

La La Land – nicht mein Film

Ich hatte mir wirklich fest vorgenommen, La La Land nicht schon aus Prinzip doof zu finden. Es ist so billig, Hoch-Gelobtes zu dissen! Aber sorry – es muss einfach.

Eigentlich geht’s ja schon beim Titel los. Mag sein, dass das auf Amerikanisch gut klingt, auf Deutsch kling es bescheiden, jetzt mal ehrlich. La-li-lu klang da ja sogar besser.

Dann die Story: wirklich die schlichteste Liebesgeschichte, die man sich denken kann. Nun muss ein Musikfilm natürlich auch nicht einen Anna-Karenina-Plot haben, schlicht und einfach darf es sein, muss es vielleicht sogar. Doch dann sollte man sich der Schlichtheit bewusst sein und nicht die trivialsten Probleme ausdehnen, bis die 120 Minuten gut voll sind. Oder anders gesagt: Das Teil hat massiv Längen.

Die Schauspieler sind auch nur 50% perfekt gewählt. Emma Stone passt gut, Ryan Gosling ist nicht ideal. Okay, er kann tanzen (sie auch!), insbesondere in der langen Szene weit am Anfang. Die ist wirklich klasse, mit viel Schwung und Herz getanzt. Hätte ich nicht gedacht, dass er es dermaßen drauf hat. Seine echten Schauspieler-Qualitäten darf er allerdings nur in der einen großen Streitszene zum Ende hin ausleben. Die übrige Zeit liegen seine Talente eher brach.

Das schlimmste ist: La La Land ist einfach langweilig. Die Musik begeistert nicht, beide können nicht singen und ihre seichten Dialoge sind eben – seicht. Es wird ein wenig über Hollywoods Kunst gefachsimpelt (auch über Jazz) und das Ganze spiegelt sich im Cine-Glamour von Los Angeles. Jeden Schauspieler oder irgend sonstwie am Filmemachen Beteiligten dürften Story wie lokale Atmosphäre im Herzen berühren. Man philosophiert über die eigene Zunft und leidet an den eigenen Daseinsbedingungen. Das kann vielleicht erklären, warum der Film so viele Golden Globes erhielt. La La Land hat die Jury nach allen Regeln der Kunst eingewickelt.

Aus einem Musikfilm muss man summend rausgehend, aus einem Tanzfilm tänzerisch. Nach La La Land summt und tanzt niemand. Wenn der Film irgendwann vielleicht im TV kommt, schau ich ihn mir jedenfalls bestimmt kein zweites Mal an.

 

Veröffentlicht unter Film, Kino, Musik | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Leinwand-Tagebuch: diese Filme habe ich gesehen

CC pixabay.com

Was ist das hier?

Ich gehe oft ins Kino, so ungefähr einmal in der Woche. Manchmal schreibe ich was darüber, mal in diesem Blog, mal auf meiner Facebook-Seite. Das ist mir á la long aber zu rhapsodisch, zu zerfleddert.

Jetzt soll eine Tabelle her, in der ich die gesehenen Filme der Reihe nach eintrage, den frischesten immer zu oberst. Das nenne ich dann „Leinwand-Tagebuch“.

Wenn ich zu einem einzelnen Film außerdem noch ausführlicher was schreiben will – okay, muss nicht, aber kann. Ein Eintrag im Leinwand-Tagebuch ist Pflicht.

Noch ein paar Vorbemerkungen

  • Das Sortierkriterium ist das Datum, die Spalte „gesehen“. An dem Tag habe ich den Film gesehen.
  • Die Einträge in der Spalte „Seite / Link“ verweisen jeweils auf eine Webseite zu dem Film, also mal die eigene Seite, mal Wikipedia, mitunter auch mal ein Beitrag in Movie Pilot.
  • In der Spalte „Urteil“ steht meine Gesamtbewertung. So alles ab Note 7 aufwärts ist aus meiner Sicht sehenswert. Und alles ab Note 4 abwärts sollte man meiden.
  • Die Tabelle habe ich mit dem WP-Plugin „Tables by Subsystic“ erstellt. Auswahlkriterium: viele gute Bewertungen und kompatibel mit meiner WP-Installation. Besonders begeistert bin ich aber nicht. Ich muss wohl noch etwas üben, damit umzugehen.
  • U.a. wird die Tabelle noch nicht richtig als Tabelle angezeigt, eigentlich soll sie quer mit nur einer Überschriftszeile. Möglicherweise muss ich dazu erst mein Theme „twenty-ten“ anpassen. Immerhin: Lesbar ist es ja, nur nicht besonders schön.

Leinwand-Tagebuch

 

Veröffentlicht unter Film, Kino, Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar